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Intelligente Fabriken in der Lebensmittelindustrie: Automatisierung, Daten und KI in der Praxis

Wie gestalten Lebensmittelunternehmen eine Fabrik der Zukunft? Björn Crul spricht mit Werner Fransen und Samir Barrahmun von Yitch über Automatisierung, Digitalisierung, Datenqualität, KI und die Fallstricke der digitalen Transformation. Sie erläutern, warum ein überzeugender Business Case, engagierte Mitarbeiter und ein schrittweiser Ansatz für eine intelligentere, effizientere und nachhaltigere Produktion unerlässlich sind.

Transcriptie

[00:00] Fabriken der Zukunft
Björn Crul: Hallo, liebe Zuhörer. Willkommen zu dieser neuen Folge des Foodtec-Podcasts. Lebensmittelunternehmen stehen heute vor einer doppelten Herausforderung. Einerseits müssen sie hochwertige und lebensmittelsichere Produkte liefern und gleichzeitig intelligenter, schneller, effizienter und nachhaltiger werden. All dies muss die Rentabilität sichern und auch langfristiges Wachstum ermöglichen. Automatisierung, Digitalisierung, Daten und KI sind also keine Hype-Themen mehr, sondern bilden vielmehr das Fundament dessen, was wir als Fabriken der Zukunft bezeichnen. Digitalisierungsstrategie – und welche Fallstricke sollte man dabei am besten vermeiden? Ich bin Björn Crul und werde heute darüber mit Werner Fransen, Co-CEO von Yitch, und seinem Kollegen Samir Barrahmun, Strategic Account Manager, sprechen. Meine Herren, herzlich willkommen in unserem Studio.
Werner Fransen: Vielen Dank.

[00:46] Intelligentere und nachhaltigere Produktion
Björn Crul: Samir, soll ich mit dir anfangen? Das Thema heute sind die Fabriken der Zukunft, an denen bereits heute intensiv gearbeitet wird. Wie würdest du eine solche Fabrik beschreiben? Was müssen wir uns darunter vorstellen?
Samir Barrahmun: Fabriken, die dafür sorgen sollen, dass wir intelligenter, effizienter, schneller und nachhaltiger produzieren können. Und damit, so glaube ich, auch, dass wir weiterhin vor Ort produzieren können.
Björn Crul: Und spielt die Technologie dabei eine sehr wichtige Rolle?
Samir Barrahmun: Ja, auf jeden Fall. Das ist meiner Meinung nach tatsächlich unerlässlich, um sicherzustellen, dass wir diese Effizienz aufrechterhalten, aber auch weiterhin diese Prozesse steuern können. Wie effizient oder wie nachhaltig wir produzieren – das lässt sich nur sehr schwer optimieren. Das ist also auf jeden Fall wichtig.

[01:38] Bausteine der intelligenten Fabrik
Björn Crul: Wir sprechen über Automatisierung, Digitalisierung und die bessere Nutzung von Daten und KI. Genau das ist ja euer Geschäftsfeld. Beschreibt uns doch bitte, wie ihr das seht – diese verschiedenen Bausteine einer solchen Strategie.
Werner Fransen: Ja, für uns sind das eigentlich verschiedene Bausteine, die letztendlich zur intelligenten Fabrik führen sollen. Vielleicht möchte ich noch kurz ergänzen, was Samir gerade gesagt hat. Es geht eigentlich darum, sicherzustellen, dass unsere Kunden, also Produktionsunternehmen, in der Nähe ihrer Verbraucher produzieren können. Und das erreichen wir, indem wir diese Bausteine intelligent einsetzen. Automatisierung bedeutet für uns also die Steuerung der Maschinen, der Produktionslinien und der Prozessanlagen in diesen Fabriken. Das geschieht in der Regel durch SPS-Programmierung, SCADA-Anwendungen und Ähnliches. Die Digitalisierung ist die Digitalisierung der Geschäftsprozesse in der Produktion. Dabei muss man vor allem die Bediener im Blick behalten. Diese machen sehr viele Notizen, geben sehr viele Daten in Excel-Dateien und in Hefte ein. Das werden wir auf einer einzigen Plattform zentralisieren, von der aus sich alles dann einfach steuern und verwalten lässt.
Björn Crul: Das bedeutet also, papierlos zu arbeiten, oder?
Werner Fransen: Auf papierloses Arbeiten umstellen und dafür sorgen, dass alles lückenlos nachverfolgbar ist. Qualitätsprüfungen optimieren und digitalisieren.
Björn Crul: Planung von Fertigungsaufträgen und Ähnliches. Kann man in einer nächsten Phase auch mit KI arbeiten?
Werner Fransen: Aus all diesen Systemen werden sehr viele Daten gesammelt. Und mit diesen Daten kann man anschließend arbeiten, um daraus intelligente Erkenntnisse für das Management, die Bediener und jeden anderen Mitarbeiter in Ihrem Unternehmen zu gewinnen.

[03:21] Digitale Transformation und Unternehmensgröße
Björn Crul: Aus Ihrer Sicht auf den belgischen Lebensmittelsektor betrachtet: Sind unsere Unternehmen Vorreiter bei dem, was ich als digitale Transformation bezeichnen würde?
Werner Fransen: Ich glaube, dass belgische und niederländische Unternehmen im Bereich der Digitalisierung definitiv Vorreiter sind. Im Vergleich zu anderen, sogar europäischen Ländern, stellen wir fest, dass dort sehr viel in diese Systeme und in die Automatisierung investiert wird.
Björn Crul: Aber man braucht vielleicht eine gewisse Größe, um darin investieren zu können.
Werner Fransen: Eine gewisse Größe ist natürlich nicht unwichtig, um solche Investitionen stemmen zu können. Man braucht auch eine bestimmte Organisationsstruktur, um ein solches Projekt erfolgreich umzusetzen. Aber es gibt auch Lösungen, die kleineren Unternehmen und KMU helfen oder ihnen Lösungen bieten können.

[04:09] Die Analysephase
Björn Crul: Yitch verfügt über umfangreiche Erfahrung mit Automatisierungs- und Digitalisierungsprojekten in den unterschiedlichsten Branchen, insbesondere aber auch in der Lebensmittelindustrie. Wie sieht für euch eigentlich der ideale Ablauf eines solchen Projekts aus? Wie würdet ihr es am liebsten angehen?
Werner Fransen: Wir beginnen am liebsten damit, das Problem des Kunden genau zu verstehen. In der Regel tun wir dies, indem wir eine Analysephase einleiten. Wir arbeiten dann gemeinsam mit den Mitarbeitern unseres Kunden zusammen – sowohl mit den Mitarbeitern an der Basis als auch mit den Führungskräften. Dabei wollen wir die Bedürfnisse jedes Einzelnen genau verstehen, um ein gutes Projekt oder ein gutes Konzept entwickeln zu können. Gemeinsam mit der Geschäftsleitung schauen wir uns an, wohin sie langfristig wollen und wie ihre Strategie aussieht. Mit dem Betriebsleiter wollen wir wissen, was er in seiner Produktion gerne verbessern möchte. Und die Bediener darf man wirklich nicht unterschätzen. Das sind die Menschen, bei denen wir erfassen müssen, mit welchen Problemen sie zu kämpfen haben. Mit diesen Menschen müssen wir zusammenarbeiten, um herauszufinden: Wie können wir das verbessern? Vor allem die Menschen, die von Anfang an dabei sind, müssen wir einbeziehen.

[05:22] Roadmap und Ausweitung
Björn Crul: Samir, das ist die erste Phase, die Analysephase. Was passiert danach?
Samir Barrahmun: Ich denke, dass wir nach der Analysephase auf der Grundlage der daraus resultierenden Anforderungen einen Fahrplan erstellen werden. Und das ist dann ein vollständiger Fahrplan, bei dem wir jedem Schritt bereits einen Business Case zuordnen, den wir dann Schritt für Schritt umsetzen können. Und dann, in der Projektphase, fangen wir in der Regel tatsächlich mit kleinen Schritten an. Oft beginnen wir beispielsweise mit der Digitalisierung oder Automatisierung einer einzelnen Produktionslinie. Das skalieren wir anschließend innerhalb des Werks weiter, auf den Rest des Werks und gegebenenfalls auch auf weitere Standorte.

[05:59] Greenfield und Brownfield
Björn Crul: Gibt es eigentlich einen großen Unterschied zwischen dem Bau eines komplett neuen Werks und der Digitalisierung oder Automatisierung einer Produktionslinie in einem bestehenden Werk?
Samir Barrahmun: Beides hat Vor- und Nachteile. Ich denke natürlich, dass man bei einem Greenfield-Projekt typischerweise sozusagen bei Null anfangen kann. Man setzt also vollständig auf neue Maschinen und völlig neue Systeme. Dabei ist natürlich auch die Analysephase nach wie vor sehr wichtig. Wir müssen also immer noch einen sehr guten Plan dafür erstellen, die entsprechende Roadmap aufstellen. Aber das macht es dort, glaube ich, am Anfang etwas einfacher. Was man bei einem Brownfield typischerweise beobachtet, ist das, was Werner bereits gesagt hat: Es ist natürlich sehr wichtig, die Bediener einzubeziehen. Und sie können bei diesen Brownfields wirklich darlegen, dass bestimmte Prozesse aus einem bestimmten Grund auf eine bestimmte Art und Weise ablaufen. Sie liefern dabei wirklich den Kontext. Und das können wir natürlich bei Brownfields leichter umsetzen.

[07:02] Projektteam und iterativer Ansatz
Björn Crul: Werner, bei euren Projekten arbeitet ihr immer in einem Projektteam, dem auch Vertreter des Kunden angehören. Wer sollte dort mit am Tisch sitzen und warum ist dieses Projektteam so wichtig?
Werner Fransen: Das ist der logische nächste Schritt nach der Analysephase. In dieser Analysephase ist es also auch sehr wichtig, dass man die richtigen Verantwortlichen auf Kundenseite einbezieht. Und das muss man eigentlich über den gesamten Implementierungsprozess hinweg beibehalten. Dabei ist es auf jeden Fall wichtig, dass genügend Personen am Tisch sitzen, die ihren Prozess kennen, die wissen, wie ein Produktionsprozess funktioniert, die ihre Produkte kennen und die auch wissen, welche Auswirkungen bestimmte Änderungen haben werden, die wir möglicherweise umsetzen werden. Aber auch keineswegs unwichtig ist, dass die Geschäftsleitung mit am Tisch sitzt. Sie muss auf jeden Fall in den Sitzungen des Lenkungsausschusses vertreten sein, damit sie das Projekt aus nächster Nähe weiterverfolgen kann und es auch für sie ein strategisches Projekt ist und bleibt.
Björn Crul: Bedeutet das, dass man manchmal im Laufe der Zeit noch Dinge anpassen oder nachbessern muss?
Werner Fransen: Auf jeden Fall. Und das ist eigentlich auch ein bisschen typisch für diese Art von Projekten. Wir arbeiten dort oft iterativ, wobei man den Kunden in kurzen Iterationen Ergebnisse präsentiert. Wir beginnen mit einer bestimmten Idee, aber es gibt sehr viele neue Erkenntnisse im Laufe des Prozesses. Und wenn man diese neuen Erkenntnisse durch die iterative Arbeitsweise einbeziehen kann, gelangt man letztendlich auch zu einer optimalen Lösung für den Kunden.

[08:32] Maßgeschneiderte Lösungen oder Standardlösungen
Björn Crul: Samir, entscheidet ihr euch bei der Umsetzung eher für maßgeschneiderte Lösungen oder doch eher für standardisierte Lösungen?
Samir Barrahmun: Ja, das ist natürlich immer ein kleiner Knackpunkt, der oft schon sehr früh im Verlauf der Zusammenarbeit mit potenziellen Kunden oder Partnern zur Sprache kommt. Wir versuchen, so weit wie möglich vom Standard auszugehen. Das hat ganz einfach eine Reihe von Vorteilen. Zum einen lassen sich Updates leichter durchführen. Zum anderen lässt sich das System leichter auf andere Standorte ausweiten. Es ist auch einfacher, die Lösung zu implementieren. Aber wir bei Yitch verstehen auch sehr gut, dass für viele Produktionsunternehmen, insbesondere Lebensmittelunternehmen, gerade ein bestimmter Prozess einen Wettbewerbsvorteil darstellt. Um diesen Prozess zu unterstützen, können wir uns das natürlich jederzeit genauer ansehen. Ich denke, wir bei Yitch arbeiten markenunabhängig. Das heißt, wir arbeiten mit unterschiedlicher Hardware und Software. So können wir immer leichter auswählen, was am besten zu den spezifischen Anforderungen des jeweiligen Kunden passt. Dadurch sind wir aber auch nicht daran gehindert, tatsächlich individuelle Anpassungen vorzunehmen.

[09:44] Unterstützung und Kontinuität
Werner Fransen: Ich halte es für wichtig, dass wir tatsächlich mit Standardplattformen arbeiten. Man muss diese Kunden ja auch später weiterhin unterstützen können. Wir haben ein ganzes Support-Team, das sich heute darum kümmert, unser Kontinuitätsteam. Und wenn wir uns so nah wie möglich an Standardlösungen halten, ist es für sie auch einfacher, diese zu betreuen. Wenn man zu sehr auf maßgeschneiderte Lösungen setzt, muss man jedes Mal zu viel in die Schulung dieser Mitarbeiter investieren, um den Support weiterhin ordnungsgemäß gewährleisten zu können.

[10:23] Investitionen in Maschinen und Software
Björn Crul: Man kann Maschinen oder Produktionslinien haben, die aktualisiert werden. Aber sehr oft kommt noch eine Software-Ebene hinzu, sodass man eine Kombination aus einer Investition, also Capex, und dennoch auch einem Opex-Anteil erhält. Ich frage mich, Werner, wie die Finanzleute in diesen Unternehmen damit umgehen sollen? Und mit welchen Problemen stoßt ihr dabei manchmal auf?
Werner Fransen: Das sind in der Tat oft Herausforderungen. Ihr wisst genau, wie viel jeder einzelne Stein kostet, und ihr seht auch, wie dieser Stein verbaut wird. Da lässt sich leicht berechnen, wie hoch die Kosten für das Gebäude sind. Bei einer Produktionslinie ist das ebenfalls leicht zu berechnen. Man hat bestimmte Investitionskosten, man weiß, dass diese Linie so und so viel zusätzlich produzieren wird, also kann man den ROI ganz einfach berechnen. Und je mehr man sich tatsächlich Software-Lösungen zuwendet, die heute in intelligenten Fabriken absolut notwendig sind, desto häufiger ist der ROI nicht direkt messbar.

[11:30] ROI von SaaS und Digitalisierung
Björn Crul: Und schon gar nicht für SaaS, oder?
Werner Fransen: Ganz sicher nicht bei SaaS oder Digitalisierungslösungen. Man muss also wirklich prüfen, wo Effizienzgewinne erzielt werden können. Aber auch hier setzen wir uns sehr eng mit dem Kunden zusammen, um zu prüfen: Wie sieht Ihr Prozess aus? Angenommen, wir könnten dieses Problem mit einer Softwarelösung beseitigen. Was würde Ihnen das bringen? Das versuchen wir so genau wie möglich einzuschätzen. Und das hilft ihnen oft dabei, dann kluge Entscheidungen zu treffen.

[12:03] Die Bedeutung des Business Case
Björn Crul: Ja, es geht eigentlich um viel mehr als nur darum, über die Digitalisierung nachzudenken. Es geht auch darum, den Business Case zu durchdenken.
Werner Fransen: Auf jeden Fall. Alles steht und fällt mit einem guten Business Case. Wenn man keinen Business Case hat, wird man nie ein gutes Projekt auf die Beine stellen. Oder man startet vielleicht ein Projekt, aber das wird dann mitten im Projekt abgebrochen, weil die Leute nicht mehr daran glauben.

[12:21] Spezifische Herausforderungen in der Lebensmittelbranche
Björn Crul: Lebensmittelunternehmen sehen sich mit einer Reihe ganz spezifischer Themen konfrontiert. Verpflichtungen in Bezug auf Rückverfolgbarkeit, Lebensmittelsicherheit und Kennzeichnung. Aber sicherlich auch die Fähigkeit, sehr flexibel zu produzieren. In kleineren Verpackungen, in größeren Verpackungen. Vielleicht auch mit anderen Produktzusammensetzungen. Und dazu kommt noch alles, was mit Nachhaltigkeit zu tun hat. Weniger Wasserverschwendung. Hohe Energieeffizienz. Die Lösung dafür liegt sehr oft in einer intelligenteren Produktion und der Nutzung von Echtzeit-Erkenntnissen. Da stellt sich natürlich die Frage: Sind diese Daten leicht auffindbar? Verfügen die Unternehmen überhaupt über diese Daten?

[13:01] Daten erschließen und strukturieren
Werner Fransen: Unternehmen verfügen über riesige Datenmengen. Das größte Problem ist, dass diese Daten oft in Systemen oder in Silos gespeichert sind. Und genau hier liegt unsere Aufgabe: dafür zu sorgen, dass wir diese Daten zugänglich machen können. Dabei ist es sehr wichtig, diese Daten auf einer zentralen Ebene, auf einer zentralen Plattform zusammenzuführen, vor allem aber auch zu strukturieren. Und das ist in der Tat die Zukunft, und damit muss sich jeder beschäftigen und darüber nachdenken.

[13:34] Die Datengrundlage
Björn Crul: Aber zuerst muss man seine Grundlagen auf die Reihe bekommen.
Werner Fransen: Zunächst muss man die Grundlagen in Ordnung bringen. Man muss zunächst sicherstellen, dass die Daten verfügbar sind, dass sie qualitativ hochwertig sind und dass sie korrekt gekennzeichnet sind. Und wenn man all das hat, kann man zum Beispiel mit KI intelligente Dinge tun. Aber man sollte auch nicht unterschätzen, was man schon heute mit Daten erreichen kann, indem man sie einfach statistisch auswertet oder analysiert. KI ist ein bisschen zu einem Schlagwort geworden, das jeder gerne verwendet, aber es gibt so viele einfache Möglichkeiten, die man schon heute nutzen kann.

[14:10] Prozessoptimierung ohne KI
Björn Crul: Habt ihr da ein konkretes Beispiel für ein Unternehmen, bei dem man wirklich auf fast ganz einfache Weise – indem man Daten zusammenführt – dennoch sofort Ergebnisse erzielt?
Werner Fransen: Ja, wir haben heute sehr viele Kunden, die bereits Daten in Historian- und Zeitreihendatenbanken erfassen. Diese lassen sich ganz einfach analysieren, sodass man verfolgen kann, wie sich der Prozess entwickelt. Selbst ohne den Einsatz von KI, allein durch die Anwendung einiger statistischer Berechnungen, kann man erkennen, wie ein optimaler Prozess aussieht und inwieweit der aktuelle Prozess von der optimalen Situation abweicht, und auf dieser Grundlage Anpassungen vornehmen. Dafür braucht man nicht einmal KI.

[14:46] Nachhaltigkeitsbericht
Björn Crul: Ich habe dich gerade schon sagen hören: Man muss die Daten eigentlich aus diesen Silos zusammenführen. Das wird heute vor allem für größere Unternehmen sehr wichtig, denn wir haben diese europäische CSRD-Verordnung, die eine Nachhaltigkeitsberichterstattung vorschreibt. Nicht nur für die Unternehmen selbst, sondern sehr oft auch für ihre Kunden. Das macht die ganze Sache meiner Meinung nach noch komplexer.
Werner Fransen: Ja, ich denke, was die Sache vor allem komplexer macht, ist der enorme Verwaltungsaufwand, der damit verbunden ist. Und genau das ist es, wovor Unternehmen vor allem zurückschrecken und was sie abschreckt. Aber in den Systemen, die heute bereits in Produktionsunternehmen vorhanden sind, sind bereits sehr viele dieser Daten verfügbar. Man kann auch vieles automatisieren und dafür sorgen, dass diese Berichte tatsächlich einfacher erstellt werden können. Und man sieht ja auch, dass viele Unternehmen heute sehr intensiv darüber nachdenken.

[15:44] Der erste Schritt zur Datennutzung
Björn Crul: Samir, was ist eigentlich der erste Schritt, den ein Lebensmittelunternehmen unternehmen muss, um seine Daten wirklich nutzen zu können?
Samir Barrahmun: Nun ja, ich denke, der erste Schritt – wie Werner gerade bereits erwähnt hat – ist die Erschließung der Daten. Ein Großteil der Daten wird also bereits in den verschiedenen Systemen protokolliert und befindet sich manchmal auch schon in den verschiedenen Maschinen und SPSen. Ich denke also, dass das wirklich der erste Schritt ist. Danach geht es aber auch um die Datenqualität, also um die Standardisierung dieser Daten. Welche Daten sind für Sie als Unternehmen nutzbar? An welcher Stelle werden wir all diese Daten sammeln? Wie werden wir diese oft auch in einen Kontext einordnen? Denn beispielsweise bedeutet eine Schwingungsmessung an einer Maschine nicht dasselbe wie die Schwingungsmessung an einer anderen Maschine. Und außerdem: Welche Daten sind für Sie als Unternehmen notwendig? Diese können für Sie viel wichtiger sein als für andere Unternehmen. Ich denke also, das ist der erste Schritt.

[16:40] KI-Anwendungen in der Lebensmittelbranche
Björn Crul: Werner, du hast es gerade selbst schon angesprochen. KI ist in jeder Vorstandsetage ein heißes Thema. Die Frage ist natürlich: Seht ihr heute bereits KI-Anwendungen, insbesondere in der Lebensmittelbranche, die sich auch auszahlen? Denn wir hören sehr oft: Ja, im Bereich KI tut sich viel, aber bevor sie tatsächlich skalierbar ist und Ergebnisse liefert, ist es noch ein langer Weg.
Werner Fransen: Auf jeden Fall. KI wird bereits im Bereich der Bildverarbeitungsanwendungen eingesetzt. In sehr vielen Unternehmen gibt es Kameras, die beispielsweise Kartoffeln filmen. Und anhand dieser Bilder können sie dann feststellen, wie die Qualität der Kartoffel ist und wie groß sie ist. Auf dieser Grundlage können sie dann fundierte Entscheidungen darüber treffen, wie sie weiter vorgehen – ob sie die Kartoffeln sortieren oder etwas anderes tun. KI in der Bildverarbeitung wird also bereits heute in sehr vielen Unternehmen in großem Umfang eingesetzt.

[17:30] KI zur Prozessoptimierung
Werner Fransen: Bald werden wir KI im Bereich der Prozessoptimierung einsetzen. Dann werden wir uns ansehen: Wo ist unser Prozess in der Vergangenheit optimal abgelaufen? Welche Charge wurde perfekt produziert? Diese Daten liegen alle vor. Wenn man dann später die Daten betrachten kann, die man heute während des Produktionsprozesses generiert, und sieht, wie stark man von dieser „Golden Batch“ abweicht, kann man mit KI und anderen Anwendungen sehr schnell entsprechende Korrekturen vornehmen.
Björn Crul: Samir, eine Frage, die sich natürlich stellt, lautet: Je mehr Unternehmen in Automatisierung und Digitalisierung investieren, desto größer werden zunächst die Auswirkungen auf die Anlagenbediener sein.

[18:23] Die sich wandelnde Rolle der Linienbetreiber
Björn Crul: Wie seht ihr das heute? Verändert sich das Profil, verändern sich die Kompetenzen der Anlagenbediener in diesen intelligenten Fabriken?
Samir Barrahmun: Ja, ich denke, das hat eigentlich zwei Seiten. Einerseits wird es für Bediener oder für verschiedene Menschen aus unterschiedlichen Gesellschaftsschichten immer einfacher, einfach weil intelligentere Systeme die Bediener auch leichter durch den Prozess begleiten können. Einerseits sieht man also, dass es für Fabriken auch einfacher wird, Mitarbeiter einzustellen. Andererseits lässt sich aber auch beobachten, dass sich die Rolle ein wenig zu verändern beginnt. Wir stellen fest, dass viele Bediener derzeit eher als Ausführende im Prozess tätig sind und diesen mithilfe von KI zunehmend überwachen. Wo KI oder maschinelles Lernen also vielleicht bereits sagen: “Heute Nacht lief es so, und das liegt an dieser Ursache. Ich schlage daher vor, während der Nachmittagsschicht etwas langsamer zu produzieren, damit wir keine Ausfallzeiten haben”, zum Beispiel.

[19:27] Ausbildung und Betreuung
Björn Crul: Werner, was bedeutet das für die Projekte, die ihr für diese Betreiber durchführt? Bietet ihr dabei zum Beispiel auch Schulungen an?
Werner Fransen: Auf jeden Fall. Schulungen sind wichtig, aber es geht auch darum, sie während dieses Wandels zu begleiten. Indem wir sie von Anfang an einbeziehen, binden wir sie während des gesamten Prozesses in das Geschehen ein, sodass sie gewissermaßen zu Miteigentümern dieses Projekts, dieser neuen Umsetzung, werden. Und das sorgt dafür, dass sie im Laufe des Prozesses geschult werden. Unabhängig davon sorgen wir natürlich auch dafür, dass sie durch Schulungen und Fortbildungen über die neue Fabrik optimal vorbereitet sind, um dort gut damit arbeiten zu können.

[20:10] Entwicklung hin zu „Dark Factories“
Björn Crul: Wenn wir diesen Gedanken noch etwas weiterführen, stellt sich die Frage: Wie werden sich diese intelligenten Fabriken in Zukunft weiterentwickeln? Bewegen wir uns in Richtung sogenannter „Dark Factories“, in denen nur noch Roboter und Automatisierung benötigt werden?
Werner Fransen: Wir werden uns sicherlich in Richtung Fabriken entwickeln, die in hohem Maße automatisiert sein werden. Und das wird sicherlich dazu führen, dass bestimmte Bereiche der Fabrik ohne Menschen auskommen werden. Andererseits ist das vielleicht auch nicht unbedingt etwas, wovor wir Angst haben müssen. Denn es gibt sehr viele Unternehmen, die bereits heute mit weniger Personal arbeiten, aber dadurch eigentlich nur wachsen können. Sie konnten mit derselben Mitarbeiterzahl mehr produzieren. Nur haben sie diese Mitarbeiter an anderen Stellen eingesetzt. Sie haben dafür gesorgt, dass sich diese Mitarbeiter auf Aufgaben konzentrieren können, die einen höheren Mehrwert schaffen. Sie sind beispielsweise nicht mehr damit beschäftigt, ein Sandwich vom Boden aufzuheben, das von der Produktionslinie gefallen ist, sondern können prüfen, wie sich die Qualität verbessern lässt. Können sie zusätzliche Qualitätsprüfungen durchführen? Können sie gewährleisten, dass der Endkunde ein besseres Produkt erhält? Rollen werden sich verändern. Menschen werden sich verändern. Fabriken werden vielleicht ein Stück weit zu „Dark Factories“ werden, um einen nicht ganz so beliebten Begriff zu verwenden. Aber das wird nicht unbedingt ohne Menschen geschehen.

[21:28] Fallstricke bei Digitalisierungsprojekten
Björn Crul: Es kommt schon mal vor, dass ein Digitalisierungsprojekt scheitert. Ich möchte mich ganz sicher nicht über Yitch äußern, aber das ist so allgemein zu sagen, würde ich sagen. Aus eurer Erfahrung heraus: Auf welche Fallstricke muss man achten, um zu vermeiden, dass irgendwo etwas schiefgeht, Samir?
Samir Barrahmun: Nun ja, ich glaube, Werner hat das zu Beginn auch schon ein wenig angesprochen. Unser Ansatz sieht vor, mit einer Analysephase zu beginnen. Wo stehe ich derzeit? Welche bestehenden Systeme nutze ich bereits? Möchte ich diese weiterhin nutzen? Welche Anforderungen müssen wir während des Prozesses erfüllen? Aber auch: Welche Geschäftsziele verfolgen wir als Unternehmen? Für das eine Unternehmen ist es beispielsweise wichtiger, schnell zu produzieren. Für ein anderes Werk ist es hingegen wichtiger, flexibel zu produzieren, da man schneller auf die Marktnachfrage reagieren möchte.

[22:25] Lösungen, Akzeptanz und Kontinuität
Samir Barrahmun: Man sollte nicht sofort mit der Produktauswahl beginnen, sondern sich zunächst die darin enthaltenen Lösungen ansehen. Ein zweiter Punkt ist meiner Meinung nach, so viele Menschen wie möglich aus verschiedenen Ebenen des Unternehmens einzubeziehen. Das heißt, sowohl das Management als auch die Mitarbeiter an der Basis, die Bediener, mit einzubeziehen. Denn man kann eine Lösung noch so gut gestalten – wenn die Mitarbeiter vor Ort nicht damit arbeiten wollen, wird sie niemals erfolgreich sein. Und drittens sollte man das Ganze als einen kontinuierlichen Prozess betrachten. Es ist sozusagen nie ein Ziel, sondern eigentlich erst der Anfang. Und man sollte den Prozess nach und nach weiter optimieren.

[23:01] Eine strategische Entscheidung
Björn Crul: Werner?
Werner Fransen: Ja, ich glaube, ich kann dem wenig hinzufügen. Das Einzige, was ich noch hinzufügen möchte: Ein solches Digitalisierungsprojekt oder der Aufbau einer intelligenten Fabrik muss eine strategische Entscheidung der Unternehmensleitung sein. Und darauf muss sich die Organisation auch vollständig ausrichten. Und was wir bei Kunden beobachten, die dies tun: Dort laufen diese Projekte, und dort sind sie erfolgreich. Unternehmen, die es so betrachten: “Wir werden Software implementieren.” Denn derzeit wird diesem Projekt nicht die nötige Aufmerksamkeit geschenkt. Man muss es wirklich als Geschäftsprojekt und nicht als IT-Projekt betrachten.

[23:35] Kein großer Urknall
Björn Crul: Und vielleicht liegt es oft auch daran, dass man versucht, auf eine Art großen „Big Bang“ hinzuarbeiten, bei dem man von einem Tag auf den anderen von einem System oder gar keinem System auf ein neues System umstellt. Was raten Sie in dieser Hinsicht?
Werner Fransen: Oft ergibt sich aus dieser Analyse auch, wie man am besten vorgehen sollte. Dann kommt man wieder auf die Organisation zurück. Diese Organisation muss das auch tragen können. Und dann ist es oft viel klüger, sich zu fragen: Mit welchen kleineren Teilbereichen fangen wir an? Was hat Priorität? Was wird am Anfang den größten Mehrwert bringen? Um dann schrittweise weiter auszubauen. Und man sollte auch nicht zu groß träumen, sondern klein anfangen. Man lernt während des Projekts, während des Prozesses. Und baut dann weiter aus.

[24:25] Kontinuierliche Anpassung und Optimierung
Björn Crul: Daraus ergibt sich fast schon, dass der Prozess nie abgeschlossen ist.
Werner Fransen: Die Kunden entwickeln sich weiter, die Produkte, die hergestellt werden müssen, entwickeln sich weiter. Und das bedeutet, dass man ständig Anpassungen vornehmen muss. Deshalb haben wir auch in unserem Unternehmen ein Kontinuitätsteam, das genau für diese Produktions- oder Geschäftskontinuität sorgt, aber auch für die kontinuierliche Optimierung der Projekte im Rahmen der „smarten Fabrik“.

[24:51] Schließen
Björn Crul: Werner Fransen, Samir Barrahmun, darf ich euch für dieses interessante Gespräch danken?
Werner Fransen und Samir Barrahmun: Sicher, vielen Dank.

[25:03] Weitere Informationen
Björn Crul: Mit Daten lässt sich eigentlich schon sehr viel anfangen, noch bevor man auf KI umsteigt. Möchten Sie mehr darüber erfahren? Dann schauen Sie doch unbedingt einmal auf unserer Website Foodtec.be vorbei. Vielen Dank fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal.

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