Die europäische Verordnung 1169/2011, auch bekannt als FIC oder Lebensmittelinformation für Verbraucher, gibt es seit 10 Jahren. Seit 2011 beschreibt und regelt sie die Anforderungen, die Etiketten auf vorverpackten Lebensmitteln erfüllen müssen. Auch wenn Liesbet Onghena, Label Compliance Consultant bei KTBA, nicht unmittelbar mit großen Änderungen der Vorschriften rechnet, sieht sie doch, dass sich die Schwerpunkte bei den Kontrollen allmählich verschieben. Dies wird von den Herstellern eine erhöhte Aufmerksamkeit in mehreren Bereichen erfordern.
Das Etikett ist die zentrale Informationsquelle für den Verbraucher. Es versteht sich daher von selbst, dass es in angemessener Weise über den Inhalt der Verpackung, die spezifischen Zutaten, etwaige Allergene und die Haltbarkeit informieren muss. Dies geschieht wortwörtlich über die Inhaltsstoffdeklaration und die Nährwerttabelle, aber auch indirekt über Bilder, Slogans und Zusatzetiketten. Die europäische Verordnung 1169/2011 äußert sich, wie viele nationale und produktspezifische Normen, zu beiden Themen.
Fehler auf einem Etikett können unterschiedliche Formen annehmen und dementsprechend unterschiedliche Folgen haben. "Wenn ein falsches Verfallsdatum angegeben ist oder ein bestimmtes Allergen nicht auf der Verpackung erwähnt wird, kann dies zu potenziell großen Gesundheitsrisiken für den Verbraucher und folglich zu schweren Verlusten für den Hersteller führen, sowohl in finanzieller Hinsicht als auch in Bezug auf den Ruf.
"Andere Fehler, wie eine falsche Reihenfolge der Zutaten, ein falscher Nutri-Score oder ein irreführendes Foto, sind weniger lebensbedrohlich. Dennoch handelt es sich dabei um Fehler, die gegen die Vorschriften verstoßen und dazu führen, dass Produkte aus den Regalen genommen werden müssen und auch alle vorgedruckten Verpackungen - und dabei handelt es sich manchmal um große Bestände - vernichtet und neu gedruckt werden müssen. Das bleibt für den Hersteller ein schwerer finanzieller Kater."

Um Fehler zu vermeiden, ist laut Onghena Aufmerksamkeit auf mehreren Ebenen erforderlich. "Was die formalen Anforderungen an das Etikett betrifft, so wenden wir bei KTBA stets das Vier-Augen-Prinzip an. Das bedeutet, dass jedes Etikett von zwei Personen unabhängig voneinander auf Konformität geprüft wird. Da wir Teil der internationalen Mérieux NutriSciences-Gruppe sind, können wir auch auf zusätzliche Unterstützung zählen, sowohl bei Übersetzungen als auch bei spezifischen nationalen Vorschriften."
Als Externer kann KTBA jedoch nicht den genauen Inhalt der Verpackungen überprüfen. Dafür ist die Kommunikation zwischen den verschiedenen Abteilungen des Herstellers besonders wichtig. "Wenn der Produktentwickler eine Rezepturanpassung vornimmt, muss er unbedingt auch die Person informieren, die die Etiketten gestaltet. Das Gleiche gilt, wenn ein Produkt plötzlich in eine andere Produktionslinie eingebracht wird, wo zum Beispiel die Gefahr einer Kreuzkontamination besteht. Gleichzeitig sollten auch die Marketingabteilungen hinreichend über die Vorschriften informiert werden, damit sie nicht - wissentlich oder unwissentlich - mit irreführenden Slogans oder Bildern arbeiten.
Letztere werden übrigens immer härter bestraft, so Onghena. "Dem Gesetzgeber ist nicht entgangen, dass der strenge Blick, mit dem Mindesthaltbarkeitsdaten und Allergene kontrolliert werden, manchmal zu verschwinden wagt, wenn es um Dinge geht, die die Vermarktung eines Produkts betreffen, wie Bilder, aber auch Dinge wie das Clean Label oder der Nutri-Score. Dies wird daher in Zukunft immer strenger kontrolliert werden."
Allerdings räumt Onghena ein, dass es bei den Regeln rund um das saubere Etikett und den Nutri-Score sicherlich noch eine gewisse Grauzone gibt. "Zum Beispiel wird derzeit noch darüber diskutiert, ob Pflanzenextrakte, die als funktionelle Inhaltsstoffe verwendet werden, im Rahmen des sauberen Labels akzeptiert werden oder nicht. Einige Hersteller messen sich daher bereits an dem Label, aber es wird erwartet, dass Europa im Jahr 2022 klare Regelungen dazu veröffentlichen wird, damit auch die Durchsetzung verschärft werden kann."
Beim Nutri-Score, der im Übrigen nicht verpflichtend ist, ist es vor allem die Berechnungsmethode, die für Diskussionen sorgen kann. "Die Rundungsregeln, die traditionell für die Nährwerttabelle gelten, gelten hier nicht, so dass die Berechnung manchmal einfach einen besseren Nutri-Score ergeben kann. Wenn die FASNK diesen Wert jedoch anhand der Nährwerttabelle überprüft, wird die Diskrepanz deutlich. Ich rate den Herstellern daher immer, die Berechnung mit den gerundeten Werten durchzuführen. Wenn Sie trotzdem eine bessere Punktzahl erreichen wollen, müssen Sie vor allem Ihre Rezeptur anpassen. Es ist ein Klischee, aber Ehrlichkeit währt in diesem Fall immer noch am längsten. Je mehr man versucht, die Grauzonen ausfindig zu machen, desto wahrscheinlicher ist es, dass man gegen die Lampe läuft."